Urlaub bedeutet für jeden etwas anderes. Manche wollen Action und so viel wie möglich erleben. Für andere dagegen bedeutet Urlaub eine Phase der völligen Entspannung. Weit weg von der Hektik des Alltags. Eine Tasse mit warmem Kakao in der Hand, die Liste mit den liebsten Weihnachtsliedern auf Play gesetzt, eingekuschelt unter einer dicken Decke. Ruhe, Abgeschiedenheit. Wer sich in diesem Bild wiederfindet, wäre im Icehotel Jukkasjärvi definitiv gut aufgehoben.
Icehotel Jukkasjärvi: Magie aus Eis und Schnee
Gerade in den Wintermonaten sehnen sich viele Menschen nach Entschleunigung. Und wo ginge das besser als in einer eigenen kleinen Höhle aus dickem Eis? Warm eingepackt in Thermoschlafsäcken auf weichen Rentierfellen. Stimmungsvolle Atmosphäre, vielleicht sogar ein Blick auf die Polarlichter werfen – klingt eher nach einem magischen Traum? Ein wenig magisch ist das Icehotel in Jukkasjärvi schon. Kein Wunder, dass das Hotel in Lappland längst kein Geheimtipp mehr ist. Mehr noch: Es ist sogar das älteste und damit erste Eishotel der Welt.
Jedes Jahr wird es neu gebaut, von zahlreichen Künstlern, Architekten und Ingenieuren erschaffen. Und in jedem Frühling schmilzt es, um zu seiner Quelle zurückzukehren. Mehr Kreislaufwirtschaft geht nicht, der Inbegriff von craddle to craddle. Aber wie funktioniert das Ganze überhaupt? Und wie ist die Idee für das Icehotel Jukkasjärvi erst entstanden? Wir nehmen euch dieses Mal mit auf eine Reise in den kalten Norden Europas. Dorthin, wo gerade in der Winterzeit immer ein Funken Magie in der Luft liegt: ins schwedische Lappland.
Geschichte und Idee zum Icehotel Jukkasjärvi
Das Icehotel in Jukkasjärvi ist das vielleicht bekannteste Hotel Schwedens. Und eine der wohl ungewöhnlichsten Hotelanlagen der Welt. Nicht umsonst haben schon zahlreiche Fernsehsender das Icehotel auf die Liste ihrer Reportagen gesetzt. Aber wie kommt man dazu, Hotelzimmer aus Eis zu bauen – und das jedes Jahr aufs Neue?
Unsere Reise beginnt dort, wo ausgefallene Ideen zuhause sind: in den 1980er Jahren. Kunst, friedliches Miteinander und Individualismus stehen ganz oben auf der Tagesordnung. Im schwedischen Lappland, nahe dem 900 Einwohner Dorf Jukkasjärvi, wird die erste Eisskulptur-Ausstellung eröffnet. Und das mit Erfolg. Kein Wunder, die Lage des Ortes, etwa 200 km nördlich des Polarkreises, ist geradezu prädestiniert für Bauwerke aus Eis.
Im Jahr 1989 reiste eine Gruppe japanischer Eiskünstler nach Jukkasjärvi. Denn sie hatten von diesem außergewöhnlichen Ort gehört. Übersetzt lautet der Name des Dorfes in etwa "Treffpunkt am Wasser". Denn seine Nähe zum Fluss Torne, der Lebensader der Region, macht es zu etwas ganz Besonderem.
Im Winter eine weite, weiße Landschaft unter funkelnden und schimmernden Polarlichtern. Und im Sommer ein reißender Strom, der sich durch die Wälder schlängelt und die Natur aus ihrem tiefen Schlaf erwachen lässt. Die Landschaft ist einfach atemberaubend
– perfekt, um aus Eis wahre Kunstwerke zu erschaffen.
Ziel der Gruppe war es, in Jukkasjärvi eine kleine Version des "Yuki Matsuri" aus ihrer Heimat zu schaffen. Dabei handelt es sich übersetzt um ein Schneefestival. Das bekannteste Festival seiner Art ist das Sapporo Snow Festival auf der Insel Hokkaido. Seit 1950 präsentieren dort jedes Jahr im Februar Künstler ihre beeindruckenden Schnee- und Eisskulpturen. Und in Schweden machte das Ganze Eindruck.
Der einheimische Unternehmer Yngve Bergqvist ließ sich davon inspirieren. In den 1970er Jahren hatte er sich für die Belebung des örtlichen Dorf-Museums eingesetzt und sah in der Eiskunst nun eine weitere Möglichkeit, den Ort auch außerhalb der Rafting-Saison im Sommer für Touristen attraktiv zu machen.
Seine Idee: Eine kleine Kunstausstellung aus Eis. Und das Highlight: ein 60 m² großes Iglu. Er nannte das Ganze die ARTic Hall, ein wirklich treffender Begriff. Die Ausstellung wurde ein voller Erfolg und sollte den Grundstein für das spätere Icehotel Jukkasjärvi legen.
Denn eine Reisegruppe, die für die Kunstausstellung ins Dorf gekommen war, fand keine Unterkunft mehr. Alle Hütten waren ausgebucht. Yngve Bergqvist bot ihnen an, doch direkt im Iglu zu übernachten. Mit warmen Schlafsäcken und Rentierfellen ausgestattet, erhielten sie noch eine kurze Einweisung von ihm, wie man in solcher Kälte gut und sicher schlafen kann.
Dann übernachteten sie als erste Touristen in einem Zimmer aus Eis. Und wie wir am Erfolg des Icehotels in Jukkasjärvi sehen können: Es war ein voller Erfolg. Die Gruppe war völlig begeistert von diesem einmaligen Erlebnis. Für den Unternehmer war dies die Inspiration für eine neue Idee, sein Dorf noch attraktiver für den Tourismus zu machen: Das Icehotel Jukkasjärvi war geboren.
Jetzt wissen wir schon mal, wie das Icehotel überhaupt entstanden ist. Aber man muss kein Statiker sein, um sich zu fragen: Ein ganzes Hotel aus Eis – wie kann das halten? Ist das wirklich sicher und wie genau baut man so etwas überhaupt? Fragen über Fragen: Schauen wir uns die Antworten doch direkt an.
Das Icehotel: Ingenieurskunst aus Eis
Wie baut man überhaupt ein Iglu? Schneemänner kennen wir alle aus unserer Kindheit oder der Kindheit unserer Kinder. Durch Rollen verdichtete Bälle aus Schnee, die wir aufeinander stapeln und dabei hoffen, sie bleiben stehen, wenn wir ihnen liebevoll Zweige in die Seite und eine Möhre in den Kopf rammen. Aber kann man aus so etwas ganze Räume bauen, ohne dass einem die Decke nachts auf den Kopf fällt?
Natürlich! Die Inuit haben dieses Handwerk in tausenden Jahren Erfahrung gemeistert. Mit ihrem Wissen sind selbst ganze Wohnräume inklusive Einrichtung aus Eis gar kein Problem. Gebaut werden Iglus aus verdichtetem Schnee. Gesägt aus dem Boden ebener Schneeflächen, über die der eiskalte Wind pfeift. Dadurch wird das eigentlich fluffige Weiß schnell zu einem harten Block. Und diese Blöcke lassen sich spiralförmig aufeinander stapeln. Dann noch die verbliebenen Ritzen für eine gute Isolation mit Schnee abdichten: fertig!
Übernachten im Icehotel Jukkasjärvi
Im Icehotel Jukkasjärvi übernachten zu können, ist ein einmaliges Erlebnis. Denn die Zimmer gibt es nur einige Monate lang. Und ihr Design ist jedes Mal einzigartig. Denn jedes einzelne Zimmer wird individuell von Künstlern entworfen. Schon über 500 Künstlerinnen und Künstler haben an den verschiedenen Ausgaben des Icehotels mitgewirkt. Aufbau, Inneneinrichtung, Dekoration – alles aus Eis. Alles absolut wunderschön.
Und wie schläft es sich im Icehotel Jukkasjärvi? Es ist kalt. Was für eine Überraschung, nicht wahr? Aber ja, die frostigen Nächte sind nicht ohne. Im Icehotel Jukkasjärvi zu übernachten, ist nichts für jeden. Zwar halten die Rentierfelle und Thermoschlafsäcke schön warm, theoretisch sogar bis - 25 °C, aber manch einer greift dann doch lieber auf etwas mehr Komfort zurück.
Seit 2016 gibt es das Icehotel 365, einen Teil des Hotels, der wärmeliebenden Gästen alle üblichen Annehmlichkeiten bietet. Beheizte Zimmer stehen das ganze Jahr über zur Verfügung. Neben warmen Räumen bietet das Icehotel 365 auch permanente Eis-Suiten an. Hier können Gäste das ganze Jahr über bei eisigen Temperaturen übernachten.
Und das lohnt sich! Denn die einzigartige Natur der Region ist auch in den Sommermonaten ein echter Magnet für Menschen, die einen entspannten Urlaub verbringen möchten. Oder vielleicht doch ausgedehnte Wandertouren und das bekannte Abenteuer-Rafting auf dem Torne-Fluss? Für jeden findet sich etwas!
Icehotel Schweden: Es lebe die Statik
Zurück zu den Eis-Zimmer: Wie hält das Ganze überhaupt? Ein Hotel mit mehreren Zimmern ist kein Iglu. Und fester Schnee reicht eventuell nicht aus, um über Monate hinweg verschiedene Räume stabil zu halten. Das Material der Wahl ist hier Snice. Was das sein soll? Eine Mischung aus Schnee und Eis, direkt aus dem zugefrorenen Bett des Torne-Flusses nebenan.
Ein solcher Block Snice wiegt etwa 2 t. Ganz schön viel, aber dadurch auch ordentlich stabil. Damit die Zimmer im Icehotel Jukkasjärvi auch zuverlässig halten, werden die Blöcke in Kuppeln und Tonnengewölben aufeinander geschichtet. Die Zugfestigkeit mag hier gering sein, aber die natürliche Stabilität dieser Strukturen kommt dabei besonders zum Tragen. Es lebe die Statik!
Jedes Jahr im November beginnt der Bau am Icehotel Jukkasjärvi. Etwa vier bis sechs Wochen dauert der Prozess, bis die zahlreichen Kunstwerke in den letzten Zügen liegen. Mitte Dezember werden die eisigen Zimmer traditionell eingeweiht. Aber wie geht man dort mit Temperaturschwankungen um? Wenn es mal schlagartig kälter oder wärmer wird? Wie sicher ist die Übernachtung im Icehotel?
Sicherheit und Komfort im Icehotel Jukkasjärvi
Das Gebäude bleibt stabil bei - 8 bis - 5 °C Innentemperatur. Dafür sorgt die Lage über dem nördlichen Polarkreis. Es wird dort in den Wintermonaten einfach nicht wärmer. Aber selbst wenn: Die Eiszimmer werden ständig auf ihre Tragfähigkeit und Sicherheit überwacht.
Sobald es nur kleinste Anzeichen von Rissen oder Antauen gibt, wird der Teil des Hotels geschlossen. Das kam, laut Hotelpersonal, bisher aber noch nie vor. Wenn es ab April wärmer wird, schließt der eisige Teil des Icehotels ohnehin seine Pforten, damit das verwendete Eis wieder zurück in den Fluss fließen kann.
Apropos Wasser: Wo duscht man dann überhaupt und wie sieht es allgemein mit sanitären Einrichtungen aus? Und was, wenn beim Übernachten doch einmal etwas sein sollte? In den saisonalen Eis-Zimmern gibt es keine Türen, schon allein aus Sicherheitsgründen. Stattdessen grenzen Vorhänge die einzelnen Räume ab. Sämtliche Arten von Warmwasser, so auch Abwasserleitungen gibt es im Icehotel natürlich auch nicht, sonst würde das Eis ja schmelzen.
Das heißt aber nicht, dass Gäste Eisbaden und eisige Dixi-Klos für sich entdecken müssen. Denn sanitäre Einrichtungen, Duschen, eine Sauna und warme Aufenthaltsräume finden sich in einem separaten beheizten Gebäude mit dem Namen "Riverside". Umkleiden und Wechselkleidung, sichere Lagerräume für Gepäck und eine Erste-Hilfe-Station sorgen für zuverlässige 24/7 Betreuung, damit im Icehotel auch niemandem etwas fehlt.
Das Icehotel Jukkasjärvi: Nachhaltigkeit und Innovation
Kommen wir von all dem Staunen über das Icehotel zu den grünen Fakten: Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus? Tourismus bringt ja immer eine gewisse Menge an Problemen mit sich, unter der oft die Natur zurückstecken muss. Wie ist das beim Icehotel in Jukkasjärvi?
Beim Icehotel Jukkasjärvi wird nachhaltiger Tourismus großgeschrieben. Die Eiszimmer bestehen ausschließlich aus natürlichen Ressourcen. Eis, Schnee und letztendlich das Flusswasser werden durch ingenieurtechnisches Geschick und künstlerisches Talent zu bewohnbaren Kunstwerken geformt. Und wenn es wärmer wird? Dann fließt das Icehotel einfach zurück in den Fluss. Mehr Kreislaufwirtschaft geht nicht.
Wie sieht das beim permanenten Teil des Hotels aus? Auch hier wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Eiszimmer im Icehotel 365 werden durch Solarenergie gekühlt. Die Solarpanels auf dem Dach liefern in den Sommermonaten mehr als genug Energie für Kühlung und Haustechnik. Mittlerweile hat sich die Hotelleitung sogar zum Ziel gesetzt, bis 2035 völlig klimaneutral zu werden.
Fazit zum Icehotel Jukkasjärvi: Vergänglichkeit und Beständigkeit zugleich
Das Icehotel, da sind wir uns sicher alle einig, ist absolut einzigartig. In jeder Hinsicht. Was können Ingenieure und Architekten vom Icehotel lernen? Dass traditionelle Bauweisen kein Relikt vergangener Zeiten sind. Sondern zu etwas Großartigem weiterentwickelt werden können.
Gleichzeitig müssen sich bei touristischen Attraktionen Natur und Tourismus nicht gegenseitig ausschließen. Es muss nicht immer der Strandurlaub in einem von 40 fast baugleichen Riesenhotels sein. Nicht immer die teure Kreuzfahrt oder die Safari in der Steppe Afrikas. Warum nicht eine Auszeit mit Entschleunigung unter Wertschätzung der Natur?
Urlaub kann entspannt und trotzdem einmalig sein. Ein echtes Erlebnis, das man nie wieder vergisst. Die Schönheit temporärer Strukturen, einer einmaligen Atmosphäre. Das Icehotel in Jukkasjärvi ist einfach ein Lehrstück dafür, wie nachhaltiges Bauen und lebendiger Tourismus selbst in einem so extremen Klima funktionieren können.