Analytisches Modell
In dieser Studie werden die in EN 1993-1-8 festgelegten Bemessungskriterien zur Bewertung des Schraubenwiderstands (Schub und Zug) und des Plattenwiderstands (Lochleibung und Durchstanzen) herangezogen, wobei die in Tabelle 3.4 angegebenen Grenzzustandsformulierungen verwendet werden.
Die Bemessungsbeanspruchbarkeit des äquivalenten T-Stummels wird für die Stirnplatte und die Stützenflanschkomponenten unabhängig voneinander bewertet. Für jede Komponente wird die maßgebende Bemessungsbeanspruchbarkeit, FT,Rd, als der Mindestwert definiert, der sich aus drei möglichen Versagensmechanismen ergibt.
Der individuelle Widerstand für jede Form wird auf der Grundlage der plastischen Momententragfähigkeit des Flansches (Mpl,1Rd und Mpl,2,Rd) und des Zugwiderstands der Schraubengruppe (∑Ft,Rd) berechnet. Diese Formen berücksichtigen das vollständige Flanschfließen (Form 1), das Schraubenversagen in Verbindung mit Flanschfließen (Form 2) und den reinen Schraubenbruch (Form 3).
- Versagensformen:
- Plastische Widerstandsmomente:
Geometrische Details der Träger-Stütze-Verbindung
Entsprechend der üblichen Baupraxis wurden alle Träger und Stützenstäbe aus S235-Stahl gefertigt, während für die Stirnplatten hochfester S355-Stahl verwendet wurde. Die geometrischen Konfigurationen, einschließlich der Anordnung der Stirnplatten und Schraubengruppen, sind in Abbildung 2 dargestellt, wobei die entsprechende Versuchsmatrix und die gemessenen Materialeigenschaften in Tabelle 1 aufgeführt sind.
Wie in der Versuchsmatrix definiert, wurde in Gruppe A (Proben 1A–3A) ein HEA 300-Stützenprofil (tw = 8,5 mm; tf = 14 mm) verwendet, während Gruppe B das schwerere HEB 300-Profil (tw = 11 mm; tf = 19 mm) beinhaltete. Um das Verhalten einer Hierarchie mit schwachen Stützen und starken Trägern zu bewerten, wurden bei allen Proben ein einheitliches HEB 300-Trägerprofil und 30 mm dicke Stirnplatten beibehalten, wodurch sichergestellt wurde, dass die Konfigurationen der Gruppe A stützenkritisch waren.
- Tabelle 1: Geometrische Konfiguration der getesteten Proben
| Proben | Stützenprofil | Trägerprofil | Anz. Schrauben | Stützenlänge | Trägerlänge |
|---|---|---|---|---|---|
| T1A | HEA 300 | HEB 300 | 12 | 2 | 1,5 |
| T2A | HEA 300 | HEB 300 | 6 | 2 | 1,5 |
| T3A | HEA 300 | HEB 300 | 8 | 2 | 1,5 |
| T1B | HEB 300 | HEB 300 | 12 | 2 | 1,5 |
| T2B | HEB 300 | HEB 300 | 6 | 2 | 1,5 |
| T3B | HEB 300 | HEB 300 | 8 | 2 | 1,5 |
Diskussion
Stahlanschlüsse für RFEM-Lösung
Unter Verwendung des FE-basierten Add-Ons Stahlanschlüsse für RFEM 6 wurde der Anschlussbemessungsprozess vollständig in das primäre Statikmodell integriert. Diese Studie präsentiert eine experimentelle und numerische Untersuchung des Tragverhaltens von sechs Träger-Stütze-Verbindungen mit verlängerten, dicken Stirnplatten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einfluss unkonventioneller Schraubenmuster mit mehreren Schrauben pro Reihe liegt. Um die inhärente Drehsteifigkeit der Knotenzone zu isolieren, wurden alle Probekörper ohne zusätzliche Stützenstegsteifen konfiguriert. Die Versuchsmatrix untersuchte zwei unterschiedliche Versagenshierarchien: (1) eine Konfiguration mit schwacher Stütze und starkem Träger (HEA300-Stütze; HEB300-Träger) und (2) eine Konfiguration mit ausgeglichener Steifigkeit (HEB300-Stütze und -Träger).
Diese Untersuchungen wurden durch gezielte T-Stummel-Charakterisierung und hochpräzise Finite-Elemente-Analyse (FE-Analyse) ergänzt. Nach der Validierung anhand von experimentellen Daten und dem Nachweis gemäß den Rahmenbedingungen des Eurocodes 3 (EC3) wurden die FE-Modelle verwendet, um detaillierte Einblicke in lokale Verformungsmechanismen zu gewinnen. Abb. 4 und 5 sowie Tabelle 2 und 3 veranschaulichen den Vergleich von Momentwiderstand und Steifigkeit – experimentell, ROFEM, Stahlanschlüsse in RFEM gemäß EC-3. Und Tabelle 4 veranschaulicht die Versagensformen.
- Tabelle 2: Vergleich von Momententragfähigkeit, Steifigkeit – Experimentell, ROFEM, Stahlanschlüsse in RFEM & EC-3-1-8.
| Probe | Anz. Schrauben | Moment kN m, Mj.R | Anfangssteifigkeit Sj,ini (MNm/rad) |
|---|---|---|---|
| T1A | 12 | 193,5 | 26,34 |
| T2A | 6 | 122,1 | 12,35 |
| T3A | 8 | 109,8 | 14,27 |
| T1B | 12 | 262,4 | 22,31 |
| T2B | 6 | 196,4 | 17,58 |
| T3B | 8 | 161,3 | 27,28 |
| Probe | Anz. Schrauben | Moment kN m, Mj.R | Anfangssteifigkeit Sj,ini (MNm/rad) |
|---|---|---|---|
| T1A | 12 | 114 | 33 |
| T2A | 6 | 108,8 | 27,42 |
| T3A | 8 | 64,7 | 18,87 |
| T1B | 12 | 162,6 | 41,83 |
| T2B | 6 | 156,5 | 38,96 |
| T3B | 8 | 81,1 | 23,82 |
| Probe | Anz. Schrauben | Moment kN m, Mj.R | Anfangssteifigkeit Sj,ini (MNm/rad) |
|---|---|---|---|
| T1A | 12 | 179,3 | 19,5 |
| T2A | 6 | 107,3 | 9,14 |
| T3A | 8 | 96,9 | 5,81 |
| T1B | 12 | 261,9 | 23,8 |
| T2B | 6 | 190,2 | 17,67 |
| T3B | 8 | 177 | 16,36 |
| Probe | Anz. Schrauben | Moment kN m, Mj.R | EC-3/RFEM |
|---|---|---|---|
| T1A | 12 | 154,57 | 0,74 |
| T2A | 6 | 115,42 | 0,94 |
| T3A | 8 | 97,13 | 0,67 |
| T1B | 12 | 197,5 | 0,82 |
| T2B | 6 | 172,8 | 0,91 |
| T3B | 8 | 137,63 | 0,59 |
- Tabelle 3: Steifigkeitsvergleich.
| Probe | Anz. Schrauben | Anfangssteifigkeit Sj,ini (MNm/rad) | EC-3/RFEM |
|---|---|---|---|
| T1A | 12 | 13,4 | 2,46 |
| T2A | 6 | 8,2 | 3,34 |
| T3A | 8 | 11,5 | 1,64 |
| T1B | 12 | 18,8 | 2,23 |
| T2B | 6 | 12,5 | 3,12 |
| T3B | 8 | 16,9 | 1,41 |
- Tabelle 4: Versagensformen.
| Probe | EC-3 | Stahlanschlüsse in RFEM | Experimente |
|---|---|---|---|
| T1A | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung |
| T2A | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung |
| T3A | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung |
| T1B | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung |
| T2B | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung |
| T3B | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung | Stützenflanschbiegung |
Fazit
Anhand vorläufiger Versuchsdaten wurde die Anwendbarkeit der Bestimmungen der EN 1993-1-8 auf Stahlanschlüsse untersucht. In Übereinstimmung mit den für herkömmliche Bauteile aus Kohlenstoffstahl berichteten Ergebnissen zeigte sich, dass das Eurocode-Steifigkeitsmodell die anfängliche Drehsteifigkeit überschätzt, wobei die analytischen Vorhersagen im Vergleich zu den Messwerten eine erhebliche Streuung aufwiesen.
Die Versuchsergebnisse bestätigen, dass sowohl die Momententragfähigkeit als auch die Anfangssteifigkeit mit der Anzahl der Schrauben zunehmen, wobei Proben mit 12 Schrauben (T1A, T1B) durchweg besser abschnitten als ihre Pendants mit 6 und 8 Schrauben. Die EC3-1-8-Komponentenmethode unterschätzt im Allgemeinen die Momententragfähigkeit, während sie die Anfangssteifigkeit überschätzt, am deutlichsten bei T1B (41,83 gegenüber 22,31 MNm/rad), was mit dem unter EN 1993-1-8 beobachteten Überschätzungstrend übereinstimmt.
Die EC-3/RFEM-Verhältnisse im Bereich von 0,59 bis 0,94 deuten auf konservative Vorhersagen der Momententragfähigkeit durch die Eurocode-Komponentenmethode hin, wobei das niedrige Verhältnis für T3B (0,59) auf eine erhebliche Unterschätzung für bestimmte Verbindungsgeometrien hindeutet.
Referenzen
1. Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten - Teil 1-8: Bemessung von Anschlüssen. Europäische Norm EN 1993-1-8. Europäisches Komitee für Normung, Brüssel, Belgien; 1993.
2. Gary S. Prinz, Alain Nussbaumer, Luis Borges, Shyam Khadka, Experimental testing and simulation of bolted beam-column connections having thick extended endplates and multiple bolts per row, Engineering Structures, Band 59, 2014, Seiten 434–447, ISSN 0141-0296,10.1016/j.engstruct.2013.10.042