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11. Dezember 2025

Ein letzter Abpfiff: Der Einsturz im Hallenbad Uster 1985

Am 9. Mai 1985 um 20:25 stürzte das Dach der Schwimmhalle in Uster ein. Bis heute, über 40 Jahre nach dieser Katastrophe, haben sich die schrecklichen Bilder in den Köpfen der Schweizer Stadt eingebrannt. Die gesamte Decke fiel wie ein Deckel auf das Schwimmbecken hinunter. Wo über 40 Junioren des Schwimmvereins gerade ihre Bahnen zogen. Zwölf Tote, 19 Verletze – wie konnte das passieren?

Innovationen treiben uns an, machen neue Dinge möglich und öffnen Türen an Stellen, bei denen wir nicht einmal wussten, dass dort Wände sind. Doch manchmal kann Innovation, etwas Neues zu wagen, auch Risiken mit sich bringen. Am 9. Mai 1985 um 20 Uhr beginnt das Schwimmtraining der Junioren des Schwimmvereins der Schweizer Stadt Uster. Eine halbe Stunde später liegt alles in Trümmern.

Eine Betondecke, aufgehängt mit neuem Material, das nicht rosten sollte, fällt wie ein Deckel auf das Schwimmerbecken. Was folgt, sind stundenlange Rettungs- und Bergungsarbeiten. Zwölf Menschen verlieren ihr Leben. Schnell ist klar: Die angeblich rostfreien Metallbügel waren teilweise völlig verrostet durchgebrochen. Sie konnten die Decke irgendwann nicht mehr halten.

Wie konnte so etwas überhaupt passieren? Hätte das Unglück im Hallenbad Uster verhindert werden können? Gemeinsam sehen wir uns diese mehr als 40 Jahre alte Baukatastrophe etwas genauer an. Und stellen uns am Ende die Frage: Was können wir aus diesem tragischen Ereignis für unsere moderne Baubranche mitnehmen?

Schweizer Bauwesen der 70er und 80er Jahre

Um dieses Unglück besser zu verstehen, schauen wir uns zunächst die Zeit an, in der das Hallenbad in Uster gebaut wurde. Damals hatte die Baubranche einen denkbar schlechten Ruf. Ob abrutschende Häuser in Hanglage, undichte Keller oder Rost in neu gebauten Stahlbeton-Gebäuden – überall in den Zeitungen standen Schlagzeilen: reißender Beton, fehlerhafte Abdichtungen, Korrosion an Metallteilen wie im Stahlbeton.

Auch wenn damals eher Lokalnachrichten über solche Fälle berichteten: Sie häuften sich zusehends. Die Schweiz hatte also ein Bauproblem, und zwar ein sehr massives. Der Bau einer Schwimmhalle in Uster, einer Stadt, die zum Kanton Zürich gehört, erregte das öffentliche Aufsehen. Schon von Anfang an lag der skeptische Blick der Presse auf dem Projekt. Doch alles lief gut. Die Schwimmhalle stand und war gut besucht. Also suchten sich die Tageblätter andere Ziele und die Jahre vergingen, bis es 1985 zum Einsturz im Hallenbad Uster kam.

Das Hallenbad Uster bis 1985

Bevor wir uns dem eigentlichen Einsturz im Hallenbad Uster widmen, werfen wir einen Blick auf den Bau und die Konstruktion an sich. Spatenstich für das Schwimmbad Uster war 1971. Ein Jahr später wurde es fertiggestellt und im November eröffnet. Damit war es nur eines von vielen zeitgenössischen Projekten.

Denn gerade in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren gab es einen regelrechten Bäder-Boom in der Schweiz. Schwimmen war modern und beliebt, ob der Freizeit, im Schulsport oder in der Wettkampfszene. Kein Wunder also, dass viele Gemeinden ein neues Hallenbad ganz oben auf die Liste setzten.

Besonders innovativ war das Einbauen von abgehängten Decken in Schwimmbädern, so auch im Hallenbad Uster. Leichtmetallrahmen, bestückt üblicherweise mit Holz- oder Eternitplatten, waren äußerst effektiv darin, die Akustik zu verbessern und gleichzeitig Feuchtigkeitsschäden an der Rohdecke zu vermeiden. Manchmal wurden auch Elemente aus Mineralwolle oder Leichtbeton genutzt.

Aufgehängt wurden solche Decken dann an Stahlseilen oder Gewindestangen unter der eigentlichen Tragstruktur. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Das Innere der Bäder war einfach schöner. Man konnte sämtliche Rohre unter der Zwischendecke verstecken.

Besonderheiten am Hallenbad Uster vor dem Einsturz

Im Hallenbad Uster wurde zunächst also die Hauptdecke betoniert, in ihr bereits 207 Aufhängebügel mit einem Durchmesser von 10 mm eingearbeitet. Erst danach wurde das eigentliche Dach aufgesetzt. In die Metallbügel hängten die Arbeiter die abgehängte Decke ein. Die war nicht aus leichten Materialien gebaut, wie es für ihre Zeit üblich war. Sondern ebenfalls aus Beton und damit mehrere Tonnen schwer. Ab Anfang 1972 schwebte sie bereits freitragend über dem Hauptbecken. Und sie hat gehalten – über zehn Jahre lang.

Und das, obwohl später noch ein spezieller Putz und eine Holztäfelung für bessere Akustik angebracht wurden. Am Schluss wog die ganze abgehängte Decke etwa 30 % mehr als ursprünglich geplant. Ist sie deshalb eingestürzt? Tatsächlich nicht. Diese zusätzliche Zugspannung auf den Bügeln hätte nicht ausgereicht, um zum Einsturz im Hallenbad Uster zu führen.

Verhängnisvolle Legierung im Hallenbad Uster

Eine weitere Besonderheit war der Einsatz einer speziellen Legierung für die Tragkonstruktion der Decke. Denn zwischen der abgehängten Decke und der eigentlichen Hallendecke sammelten sich im normalen Badbetrieb Chlordämpfe. Diese sind nicht nur giftig, sondern greifen auch Stahl recht aggressiv an.

Um Rost zu vermeiden, setzte die Bauindustrie auf eine echte Neuheit, zumindest im Bauwesen: eine rostfreie Chrom-Nickel-Legierung. Dabei handelt es sich um eine damals neuartige Kombination aus Eisen, Chrom und Nickel. Ein Metall, das eine hervorragende Korrosions- und Hitzebeständigkeit mitbringt.

Selbst heute wird es fast überall verwendet, wo Wasser oder Hitze im Spiel sind: in Öfen, auf Essbesteck, in Geschirrspülern – ein echter Allrounder. Und damit prädestiniert für den Einsatz in Schwimmbädern. So dachte man damals.

Der Einsturz im Hallenbad Uster 1985

Die Jahre vergingen und es tat sich – nichts. Alle Inspektionen des Hohlraumes, in dem die giftigen Chlorgase abgesaugt wurden, verliefen reibungslos. Alles in Ordnung, meldete das Ingenieurbüro, das mit den Inspektionen beauftragt war. Genau hier lag aber das Problem. Und am 9. Mai 1985 um 20:25 Uhr zeigten sich die fatalen Auswirkungen dieser Entscheidung. Es kam zum Einsturz im Hallenbad Uster.

Überlebende Augenzeugen berichteten später, es sei ein ganz normaler Abend gewesen. Die Junioren des örtlichen Schwimmvereins hatten wie gewohnt ihr Training begonnen. Etwa 40 Leute befanden sich im Becken. Alles lief genau wie immer. Bis zu einem letzten Abpfiff. Ein lautes Krachen, dann kam die Decke herunter. Fast in einem Stück.

Wie ein tonnenschweres Taschentuch, nur gebremst durch den Luftwiderstand, senkte sie sich wie ein Deckel auf das Becken. Und schloss die Schwimmenden unter sich ein. Der Schwimmtrainer gab noch im letzten Moment die Anweisung, abzutauchen. Für viele war es da schon zu spät. Nur über eine Lücke beim Sprungturm konnten sich einige von ihnen selbst retten.

Was folgte, waren Stunden aus Chaos und Ungewissheit. Notrufe gingen raus, Rettungskräfte waren innerhalb von Minuten vor Ort. Unter ihnen auch ein ausgebildeter Taucher. Er stieg immer wieder ins tiefschwarze Wasser hinab, um Menschen zu bergen, die es nicht geschafft hatten, sich selbst aus dem Becken zu stemmen. Während über ihm Presslufthammer unermüdlich daran arbeiteten, weitere Löcher im Beton zu schaffen.

Ein tragischer Unfall, der mehrere Leben einforderte. Letztendlich starben zwölf Menschen beim Einsturz im Hallenbad Uster, 19 weitere wurden schwer verletzt. Zurück blieb die Frage: Wie konnte es zu diesem Unglück im Hallenbad Uster kommen? Was genau war passiert? Die Empa wurde damit beauftragt, genau das herauszufinden. Und die Ergebnisse sehen wir uns jetzt genauer an.

Aufarbeitung des Uster Hallenbad Unglücks

Bereits in der gleichen Nacht des Einsturzes beauftragte die Staatsanwaltschaft die Empa mit der Untersuchung der Decke, besonders ihrer Aufhängung. Aber Moment – was genau ist die Empa überhaupt?

Die Empa ist das interdisziplinäre Forschungsinstitut für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung in der Schweiz. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schaffen. Experten der Empa sahen sich das Unglück im Uster Hallenbad genau an. Wir haben ihre wichtigsten Erkenntnisse für euch zusammengefasst.

Wie kam es zum Einsturz im Hallenbad Uster 1985?

Die Decke hing lange Zeit sehr sicher und alles verlief ohne Auffälligkeiten. Zumindest, wenn man den Berichten der Inspekteure Glauben schenkt. Tatsächlich gab es bereits im Jahr 1984 einen deutlichen Hinweis auf die nahende Katastrophe.

Bei einer Routinekontrolle wurde ein Aufhängebügel entdeckt, der komplett durchgebrochen war. Also wurde das der Stadt Uster sofort gemeldet, nicht wahr? Nein? Im Gegenteil: Im abgegebenen Bericht stand, der Zustand der Decke wäre einwandfrei gewesen. Der gebrochene Bügel wurde durch einen weiteren verschweißten Stab überbrückt. Mehr passierte nicht. Eine Entscheidung, die mehrere Menschenleben kosten sollte.

Vielleicht denkt ihr jetzt, bei über 200 Bügeln aus 10 mm dickem Stahl ist es ja nicht schlimm, wenn mal ein Bügel reißt. Aber die spezielle Konstruktion der Decke hat ihren Nachteil genau dort. Reißen nur wenige Bügel, werden die benachbarten zu stark belastet und reißen ebenfalls. Eine Art tragischer Domino-Effekt.

Also war es das, ein abgerissener Bügel? Nein, er allein war nicht das Einzige, was im Bericht hätte stehen müssen. Die Ingenieure entdeckten an weiteren Bügeln kleine braune Flecken, erkannten diese aber nicht als Rost. Sie nahmen an, dass der gebrochene Bügel schon beim Einbau gerissen sein musste. Und damit war das Thema erledigt. Bis wenige Monate danach die gesamte Decke nach unten fiel.

Rostfreie Chrom-Nickel-Legierung?

Chrom-Nickel-Stahl wird noch heute in maritimer Umgebung genutzt. Genauer gesagt im Bootsbau. Hier hält die Legierung der chlorhaltigen Dauerbelastung von Salz und Meeresluft stand. Aber dabei handelt es sich um V4A-Stahl, also Chromnickelstahl, der mit 2 % Molybdän legiert wurde.

Der Edelstahl, der in Uster zum Einsatz kam, war V2A-Stahl, ein Edelstahl ohne den schützenden Molybdän-Anteil. Korrosionsbeständig, ja. Aber nicht gegen Chlorverbindungen. Im Bauingenieurwesen war das damals eher unbekannt. Fachleute allerdings, Metallurgen und Korrosionsspezialisten, wussten von Spannungskorrosion unter Chlor-Einfluss schon seit Jahren.

Für eine Hallenbad-Umgebung war V2A-Stahl also absolut ungeeignet. Der chloridhaltige Feuchtigkeitsfilm, der durch die Dämpfe auf den Bügeln entsteht, frisst sich in den Stahl. Und in Uster waren die Aufhängebügel rund um die Uhr chloridhaltiger Luft ausgesetzt.

Dieser Vorgang passiert nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre hinweg. Wer schon einmal Rost an Metall gefunden hat, weiß: Übersehen kann man das eher nicht. Chrom-Nickel-Stahl rostet allerdings nicht flächendeckend. Von außen ist alles, was zu sehen ist, eine Ansammlung kleiner dunkler Punkte.

Ein Korrosionsexperte hätte das Problem im Hallenbad Uster rechtzeitig erkannt, aber von Rost wurde damals gar nicht ausgegangen. Zerstörungsfreie Untersuchungen wie heute gab es damals noch nicht. Und ohne einen eindeutigen Hinweis von den prüfenden Ingenieuren kam es natürlich nicht dazu, dass ein Teil des Materials entfernt und extern untersucht wurde.

Von diesen dunklen Punkten aus sorgte die starke Zugspannung dafür, dass Risse im Stahl entstanden und immer tiefer in die Metallbügel wuchsen. Irgendwann brach einer von ihnen. Und dann ein weiterer. Bis die gesamte Aufhängung versagte.

Untersuchungen der Empa zeigten, dass die Bruchfläche bei 55 der insgesamt 94 gebrochenen Bügel zu 76 bis 100 % verrostet war. Von außen ließ sich das nur schwer erkennen. Was dieses Unglück im Hallenbad Uster nur noch tragischer wirken lässt.

Wer war Schuld am Deckeneinsturz im Hallenbad Uster 1985?

Leicht zu beantworten ist das nicht. Ohne die Hintergrundinformationen wäre sicherlich der Aufschrei in Richtung Baupfusch groß gewesen. Ihr erinnert euch sicher: Für diese Zeit war so etwas fast an der Tagesordnung. Das war hier allerdings nicht der Fall.

Tatsächlich wurden am Ende drei Menschen verurteilt: zwei Ingenieure und der Architekt. Sie wurden der fahrlässigen Tötung sowie der fahrlässigen Verursachung eines Einsturzes schuldig gesprochen. Warum? Ganz einfach. Sie hatten den Schaden bemerkt, aber nicht gemeldet und auch keine weiteren Fachleute zur Abklärung hinzugezogen.

Lehren aus dem Hallenbad-Unglück in Uster 1985

Im Anschluss an den Einsturz im Hallenbad Uster startete die Empa schon wenige Monate später eine intensive Aufklärungskampagne in Sachen Korrosionsverhalten von Stahlsorten. Eine Tagung im November 1985 führte zur weiteren Verbreitung und Sensibilisierung für das Thema.

Infolgedessen wurden etliche Hallenbäder mit ähnlichem Aufbau aufwändig saniert und die Aufhängungen ausgetauscht. Die Schwimmhalle in Uster war schließlich die erste, aber bei weitem nicht einzige Einrichtung ihrer Art gewesen, bei der V2A-Stahl verwendet worden war. Auf diese Weise konnten weitere Unglücke langfristig verhindert werden.

Und wie ging es nach dem Einsturz im Hallenbad Uster weiter? Das Gebäude wurde komplett abgerissen und neu gebaut. Heute ist es das größte Hallenschwimmbad der Schweiz und zweifellos eines der beliebtesten. Es wird selbstverständlich regelmäßig modernisiert und gewartet. Damit so etwas nie wieder passieren kann.

Fazit: Dacheinsturz im Hallenbad Uster 1985

Der Einsturz im Hallenbad Uster verdeutlicht uns auf sehr tragische Weise, was für eine große Verantwortung Ingenieure für ihre Projekte tragen. Ihre Berechnungen und ihre Umsetzung des Architekten-Entwurfs entscheiden am Ende über die Sicherheit des Bauwerks. Und damit letztendlich über Menschenleben, sollte die Struktur versagen.

Diese Verantwortung auf Seiten der Ingenieure ist mit der Fertigstellung natürlich noch lange nicht vorbei. Gerade öffentliche Gebäude müssen regelmäßig überprüft und gewartet werden. Dass entdeckte Mängel bei sicherheitsrelevanten Bauteilen dabei nicht gemeldet werden, darf natürlich nicht passieren. Der Einsturz im Hallenbad Uster 1985 hat eindrucksvoll gezeigt, wie so eine Fehlentscheidung im schlimmsten Fall ausgehen kann.

Neben der unbedingten Verantwortung im Ingenieurwesen ist ein weiterer Aspekt essentiell: Weiterbildung. Im Bauwesen wird gerne einmal auf der Stelle verweilt, teils über Jahrzehnte. Dabei ist die kontinuierliche Erweiterung des eigenen Wissens unfassbar wichtig. Neue Methoden oder Erkenntnisse weiterzugeben, sollte eine der Hauptaufgaben der Baubranche sein. Und das nicht nur im Studium, sondern vor allem auch im späteren Berufsleben der Ingenieure.

Nur, wer weiterhin informiert bleibt, kann mit neuen Innovationen auch entsprechend umgehen. Und gerade im Freizeitbereich Bauwerke schaffen, die nicht nur modern aussehen, sondern über Jahrzehnte hinweg genau das tun, was sie sollen: Ein Ort der Erholung sein, an dem Besucher dem stressigen Alltag für eine Weile entfliehen und sich entspannen können.


Autor

Frau Ruthe ist im Marketing als Copywriterin zuständig für die Erstellung kreativer Texte und packender Headlines.



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