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17. April 2024

Bemessung von Seiltragwerken in RFEM 6 und RSTAB 9

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie in RFEM 6 bzw. RSTAB 9 Seiltragwerke modellieren und bemessen können.

Die Nachweisführung von Seilen innerhalb des Add-Ons "Stahlbemessung" ist aktuell noch nicht implementiert. Dennoch können Sie auch ohne das Add-On bereits Seile in RFEM 6 bzw. RSTAB 9 nachweisen. Folgend wird gezeigt, wie das geht und was dabei zu beachten ist.

Seilquerschnitt und Seilmaterial

In der Querschnittsbibliothek von RFEM 6 bzw. RSTAB 9 finden Sie eine Auswahl an Seilquerschnitten von verschiedenen Herstellern. Wählen Sie hierzu die Querschnittskategorie "Stabprofile" und filtern nach der Querschnittsform "Seile".

Eine Besonderheit der Seilquerschnitte ist, dass für diese bereits eine Grenzzugkraft sowie weitere seilspezifische Querschnittsparameter hinterlegt sind.

Ebenso finden Sie in der Materialbibliothek von RFEM 6 bzw. RSTAB 9 eine Auswahl an Seilmaterialien, indem Sie nach dem Material-Subtyp "Seil" filtern. Achten Sie darauf, dass Seilquerschnitt und Seilmaterial immer zusammenpassen, da andernfalls die angegebene Grenzzugkraft nicht gewährleistet werden kann. Wenn Sie ein anderes Material verwenden möchten, können Sie hierfür einen ungenormten und herstellerunspezifischen Seilquerschnitt wählen.

Info

Bei der Verwendung von Seilquerschnitten und -materialien ist der Stabtyp "Seilstab" auszuwählen.

Modellierung des Seiltragwerks

Im Regelfall erhalten Seile einen planmäßigen Durchhang. Da der exakte Verformungszustand eines Seils unter Belastung jedoch zunächst nicht bekannt ist, bietet sich die Modellierung des Seils als gerader Stab an. Durch das Ansetzen einer Längenänderung als äußere Last können der Seildurchhang und somit auch die Schnittgrößen beeinflusst werden. Wird ein konkreter Endzustand angestrebt, beispielsweise ein maximaler Durchhang von 1 m oder eine maximale Zugkraft von 10 kN, lässt sich das mit dem Lastfall "Längenänderung" nur iterativ durch Probieren erreichen.
Eine elegantere Lösung hierfür bietet Ihnen das Add-On "Formfindung". Damit lassen sich Endzustände direkt definieren und berechnen. Mit dem Add-On "Formfindung" können Sie den angestrebten Endzustand sowohl geometrisch als auch über Kraftgrößen definieren.

Seilbemessung

Im Grenzzustand der Tragfähigkeit ist die Einhaltung der Grenzzugkraft nachzuweisen. Den Bemessungswert der maximal zulässigen Grenzzugkraft entnehmen Sie aus den Querschnittswerten des Seils. Der Bemessungswert der Seilkraft entspricht der maximalen Normalkraft im Seil. Diese können Sie sich einfach innerhalb der statischen Analyse als Stabschnittgröße anzeigen lassen. Der Nachweis der maximalen Zugbeanspruchung ist erfüllt, wenn die maximale Normalkraft im Seil kleiner als die Grenzzugkraft des Seils ist.
Je nach Anwendungsfall können noch weitere Nachweise, wie Ermüdung, Schwingungen oder Detailnachweise, für Seilverbindungen erforderlich werden. Beachten Sie hierzu die geltenden Normen.


Autor

Herr Wanke ist im Kundensupport zuständig für die Betreuung unserer Anwender.

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