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30. April 2026

Durchstanznachweis mit Doppelkopfankern nach EOTA TR 060 für EC2

Dieser Beitrag befasst sich mit der Doppelkopfanker-Durchstanzbewehrung nach der EOTA TR060 Richtlinie welche anwendbar ist für den EC2. Er beschreibt die Anwendbarkeit, die Berücksichtigung von herstellerspezifischen Parametern sowie eine Aufschlüsselung der erforderlichen Nachweisformate.

1 - Berücksichtigung der herstellerabhängigen Parameter

In RFEM 6 ist die EOTA TR060 Richtlinie so implementiert das die produktspezifischen Parameter individuell angepasst werden können.
Diese sich unterscheidenden Parameter der Herstellerzulassungen (ETA) sind in den Tragfähigkeitskonfigurationen unter den Norm-Parametern zu finden.

Folgende Parameter können sich hierbei unterscheiden:

  • γs (Teilsicherheitsfaktor für Doppelkopfanker)
  • kpu,sl (Faktor für Berechnung VRd,max für Platten)
  • η (k1,k2) (Berücksichtigung statische Nutzhöhe bei Platten)
  • kpu,fo (Faktor für Berechnung VRd,max für Fundamente)

Info

Geplantes Feature

  • Weiterhin besteht die Möglichkeit der Berücksichtigung der Drucknormalspannungen für die Berechnung des vRd,max Wertes für Platten. Dieser positive Effekt der Berücksichtigung muss explizit in den entsprechenden ETA-Zulassungen oder vom Hersteller erwähnt werden. Wenn dies der Fall ist kann die Option in den Tragfähigkeitskonfigurationen aktiviert werden.

2 - Widerstandswerte Beton

  • Platten

Die vRd,c Berechnung für Platten ohne Durchstanzbewehrung gleicht der Berechnung aus dem EC2 nach Gleichung 6.47, in der EOTA TR 060 wird diese Gleichung 2.10 genannt.


Für die Berechnung des maximalen Widerstandswertes vRd,max werden die Drucknormalspannungen als Grundeinstellung wie in der EOTA TR060 empfohlen vernachlässigt. Wie aber auch bereits in Kapitel 1 erwähnt können diese auch berücksichtigt werden durch die Aktivierung in der Tragfähigkeitskonfiguration.
Der Widerstandswert der maximal aufnehmbaren Durchstanzlast berechnet sich in Gleichung 2.17.

  • Fundamente

Für die Berechnung des Widerstandswertes für die Fundamentberechnung wird der Vorwert CRd,c mit 0,18/ γc (Bodenplatte und schlanke Fundamente) angenommen. Der Abstand a wird iterativ ermittelt und führt zur maßgebenden Ausnutzung von vEd,red/vRd,c. Der obere Grenzwert ist hier jedoch 2d. Eine explizite Erläuterung findet sich in folgendem Fachbeitrag.


Der Widerstandswert vRd,max berechnet sich nach Gleichung 2.19.

3 - Anwendbarkeitsgrenzen der Durchstanzbewehrung

Der Versagensfall des Durchstanzens kann nicht grundsätzlich durch überhöhte Durchstanzbewehrungen vermieden werden. Als Voraussetzung muss der Nachweis der maximalen Widerstandsfähigkeit vEd ≤ vRd,max erfüllt sein. Sobald der Nachweis erfüllt ist, kann auch mittels entsprechender Wahl der Durchstanzbewehrung der Nachweis erbracht werden.

Einen großen Einfluss haben deshalb die bei Kapitel 1 erwähnten Faktoren kpu,sl und kpu,fo.
Der Widerstandswert des Betons vRd,c wird je nach Bauteiltyp mit dem entsprechenden Faktor multipliziert. Höhere Faktoren erlauben also eine größere aufnehmbare Durchstanzlast.

Tipp

Ist der Nachweis UL0401 nicht erfüllt besteht die Möglichkeit die Flächenbewehrung zu erhöhen da der mittlere Biegebewehrungsgrad ρl einen Einfluss hat auf die Berechnung des Widerstandswertes vRd,c. Der Bewehrungsgrad ist jedoch limitiert auf eine Anwendungsgrenze min (2% ; 0,5 * fcd / fyd). Ist auch dies nicht zielführend bleiben nur die Erhöhung der Betondruckfestigkeit oder eine größere statische Nutzhöhe d.

4 - Widerstandswerte Doppelkopfanker

Anders als im Eurocode wird der Bewehrungswert der Doppelkopfanker nicht pro Rundschnitt berechnet. In der EOTA TR060 Richtlinie wird unterschieden in zwei Zonen. Zone C ist der Bereich der sich bei Platten 1,125d und bei Fundamenten 0,8d von der Stützenkante, Wandende oder Wandecke entfernt befindet.
Alle Querschnittsflächen der Doppelkopfankerschäfte in der Zone C werden addiert und ergeben so den vorhandenen Bewehrungswert.
Bei der Plattenberechnung gibt es weiterhin noch einen η-Faktor der die statische Nutzhöhe berücksichtigt.
Die Zone D befindet sich zwischen äußerem Rundschnitt und der Zone C.

5 - Äußerer Rundschnitt

Der äußere Rundschnitt befindet sich 1,5d-fach entfernt vom letzten Doppelkopfanker bewehrten Rundschnitt. Der Nachweis ist erfüllt, wenn die einwirkende Kraft im äußeren Rundschnitt keine Durchstanzbewehrung mehr benötigt, also die Widerstandskraft des Betons ausreichend ist. Dieser Nachweis wird über eine Gegenüberstellung des erforderlichen zum vorhandenen Umfang des äußeren Rundschnitte geführt.

6 - Konstruktionsregeln

  • Platten

Für die radialen Abstände gilt:

  • Der erste Rundschnitt muss zwischen 0,35d und 0,5d (vom Rand des Durchstanzquerschnittes entfernt) angeordnet werden.
  • Der zweite Rundschnitt darf (vom Rand des Durchstanzquerschnittes entfernt) maximal bei 1,125d liegen, dies ist die Grenzlinie der Zone C.
  • Die darauf folgenden Rundschnitte dürfen einen radialen Abstand zum vorherigen Rundschnitt von 0,75d nicht überschreiten.

Für die tangentialen Abstände gilt:

  • Bis zu einem radialen Abstand von 1,0d (vom Rand des Durchstanzquerschnittes) muss der tangentiale Abstand kleiner gleich 1,7d sein
  • Auf der Grenzlinie der Zone C bei 1,125d (vom Rand des Durchstanzquerschnittes) muss der tangentiale Abstand kleiner gleich 1,8d sein
  • In der Zone D muss der tangentiale Abstand kleiner gleich 3,5d sein
  • Einzelfundamente und Bodenplatten

Für die radialen Abstände gilt:

  • Der erste Rundschnitt muss bei 0,3d (vom Rand des Durchstanzquerschnittes entfernt) angeordnet werden.
  • Der zweite Rundschnitt darf (vom Rand des Durchstanzquerschnittes entfernt) maximal bei 0,8d liegen, dies ist die Grenzlinie der Zone C.
  • Die darauf folgenden Rundschnitte dürfen einen radialen Abstand zum vorherigen Rundschnitt von 0,5d - 0,75d (abhängig vom Fundamenttyp) nicht überschreiten.

Für die tangentialen Abstände gilt:

  • Auf der Grenzlinie der Zone C bei 0,8d (vom Rand des Durchstanzquerschnittes) muss der tangentiale Abstand kleiner gleich 1,5d sein
  • In der Zone D muss der tangentiale Abstand kleiner gleich 2,0d sein

7 - Nachweise

Um den Durchstanznachweis zu erfüllen müssen vier Bedingungen eingehalten sein.

1, blaues Symbol Wie bei Kapitel 3 bereits erwähnt muss der VRd,max Nachweis erfüllt sein, damit der Durchstanznachweis im Allgemeinen durchgeführt werden kann. kETA sind hierbei die herstellerbezogenen Werte, welche sich unterscheiden für Platten (kpu,sl) und Fundamente/Bodenplatten (kpu,fo).

VEd ≤ kETA ⋅ VRd,c

2, blaues Symbol Ist die einwirkende Kraft VEd ≤ VRd,c (im kritischen Rundschnitt) ist keine Durchstanzbewehrung erforderlich und der Nachweis ist erfüllt. Ist VEd ≥ VRd,c muss die Durchstanzbewehrung solange erhöht werden bis der Widerstandswert VRd,s ≥ VEd ist.

VEd ≤ max (VRd,c ; VRd,s)

3, blaues Symbol Der äußere Rundschnitt befindet sich 1,5d-fach entfernt vom letzten verlegten Rundschnitt mit Doppelkopfankern. Der vorhandene Umfang dieses äußeren Rundschnittes muss größer gleich sein als der erforderliche Umfang.

uout,erf ≤ uout,vorh

4, blaues Symbol Weiterhin müssen die konstruktiven Einbauregeln beachtet werden und folgende Bedingungen erfüllt sein.

  • Mindestens 2 Rundschnitte in der Zone C
  • Radiale Abstände zwischen den Rundschnitten
  • Tangentiale Abstände zwischen den Doppelkopfankern auf einem Rundschnitt

Autor

Richard ist im Product Engineering mit Schwerpunkt Stahlbeton tätig und unterstützt zusätzlich im Customer Support. Seine Expertise setzt er gezielt für praxisnahe Lösungen ein.

Links
Referenzen


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