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27. März 2026

Edelstahlverbindungen mit Add-On Stahlanschlüsse für RFEM

In dieser Studie wird die Überprüfung der in RFEM implementierten Stahlanschlüsse für die Berechnung von Verbindungen aus nichtrostendem Stahl untersucht. Das Tragverhalten und die Leistungsfähigkeit dieser Anschlüsse werden anhand der Bemessungsvorschriften des Eurocodes 3 (EC 3) bewertet und mit einem forschungsorientierten Finite-Elemente-Modell (ROFEM) verglichen, das zuvor durch experimentelle Versuche validiert wurde (1).

Analytisches Modell

In dieser Studie werden die in EN 1993-1-8:2006 (2) festgelegten Bemessungskriterien zur Bewertung der Schraubentragfähigkeit (Schub und Zug) und der Plattentragfähigkeit (Lochleibung und Durchstanzen) unter Verwendung der in Tabelle 3.4 angegebenen Grenzzustandsformulierungen herangezogen.
Die Bemessungsbeanspruchbarkeit des äquivalenten T-Stummels wird für die Stirnplatten- und die Stützenflanschkomponenten unabhängig voneinander bewertet. Für jede Komponente wird die maßgebende Bemessungsbeanspruchbarkeit FT,Rd als der Mindestwert definiert, der sich aus drei möglichen Versagensmechanismen ergibt.

Der individuelle Widerstand für jeden Mechanismus wird auf der Grundlage der plastischen Momententragfähigkeit des Flansches (Mpl,1Rd und Mpl,2,Rd) und des Zugwiderstands der Schraubengruppe (∑Ft,Rd) berechnet. Diese Mechanismen berücksichtigen das vollständige Flanschfließen (Mechanismus 1), das Versagen der Schrauben in Verbindung mit Flanschfließen (Mechanismus 2) und den reinen Schraubenbruch (Mechanismus 3).

  • Versagensmechanismen:
  • Plastische Widerstandsmomente:

Die Einführung des Eurocodes 3 (2) stellte einen bedeutenden Fortschritt im Bereich der Tragwerksplanung dar und schuf den ersten umfassenden Regelungsrahmen, der speziell auf die Bemessung von Verbindungen ausgerichtet ist. Oft als wegweisende Referenz für moderne Stahlbemessungsnormen für Grenzzustände zitiert, bieten seine Bestimmungen – insbesondere jene, die früher in Anhang J (jetzt in EN 1993-1-8 integriert) detailliert waren – analytische Methoden (2) für Anschlüsse innerhalb von Gebäuderahmen unter vorwiegend statischer Belastung, mit Schwerpunkt auf Träger-Stützen-Konfigurationen.

Die Methodik basiert auf der Komponentenmethode, einem mechanischen Modellierungsansatz, der die Verbindung als eine Anordnung einzelner funktionaler Komponenten idealisiert. Jede Komponente wird durch eine elastische Ersatzfeder charakterisiert, die durch ihre spezifische Translationssteifigkeit und ihren Bemessungswiderstand (3) definiert ist. Durch die strategische Anordnung dieser Federn in Reihe und parallel, basierend auf der Topologie des Anschlusses, lassen sich die globale Drehsteifigkeit und die Momententragfähigkeit der Verbindung genau ableiten.

  • Die Anfangssteifigkeit der Verbindung ergibt sich aus folgender Formel:

Um eine ausreichende plastische Rotationskapazität sicherzustellen, wurden die Stirnplatten- und Anschlusswinkeldicken gemäß dem in EN 1993-1-8 (2) vorgeschriebenen oberen Grenzwertbereich bestimmt. Diese Auswahl gewährleistet, dass das Verbindungsverhalten für die vorgesehene statische Berechnung ausreichend duktile Eigenschaften aufweist.

Geometrische Details der Träger-Stützen-Verbindung

In dieser Studie wurden geschweißte I-Profile aus rostfreiem Stahl – konkret I 240 x 120 x 12 x 10 – sowohl für die Träger- als auch für die Stützenstäbe verwendet. Die Querschnittsabmessungen bestanden aus einer Außentiefe (h) von 240 mm, einer Flanschbreite (b) von 120 mm, einer Flanschdicke (tf) von 12 mm und einer Stegdicke (tw) von 10 mm. Zur Bewertung des typischen Tragverhaltens wurden vier häufig verwendete Anschlusskonfigurationen untersucht: Extended-Endplate-Verbindungen (EEP), Flush-Endplate-Verbindungen (FEP), Top-and-Seat-Angle-Cleat-Verbindungen (TSAC) sowie Top-and-Seat-and-Double-Web-Cleat-Verbindungen (TSWAC).

Die geometrischen Konfigurationen der vier untersuchten Verbindungstypen sind in Abbildung [4] und Tabelle 1 dargestellt. Bei allen Probekörpern bestanden die Verbindungsmittel aus M16-Edelstahlschrauben der Güteklasse A4-80 (entspricht Kohlenstoffstahl der Güteklasse 8.8) mit Vollgewinde, die in Durchgangsbohrungen mit einem Durchmesser von 18 mm eingesetzt wurden. Sowohl bei der TSAC- als auch bei der TSWAC-Konfiguration waren die oberen und unteren Anschlusswinkel in ihrer Geometrie identisch, einschließlich der räumlichen Anordnung der Schraubenlöcher.

  • Tabelle 1: Geometrische Konfiguration der geprüften Probekörper (2)
Abstände gemäß Abb-4 (mm)
Probekörper tc tp ta p1 p2 e1 e2 L1 L2
FEP 12 8 - 65 65 25 - - -
EEP 12 8 - 110 100 25 - - -
TSAC-8 12 - 8 0 0 35 - 100 -
TSAC-10 12 - 10 0 0 25 - 100 -
TSWAC-8 12 - 8 0 0 35 25 100 55
TSWAC-10 12 - 10 0 0 25 25 100 60
  • Tabelle 2: Materialeigenschaften (1)
Probekörper E σ0.2 σ1.0 σu ε f
(N/mm2) (N/mm2) (N/mm2) (N/mm2) %
I-240 × 120 × 12 × 10 - Flansch 196,500 248 306 630 66
I-240 × 120 × 12 × 10 - Steg 205,700 263 320 651 65
Anschlusswinkel (8 mm) 197,600 280 344 654 55
Anschlusswinkel (10 mm) 192,800 289 353.5 656 56
Stirnplatte 198,000 282 343 655 54
M16-Schraube (A4-80) 191,500 617 703 805 12

Diskussion

Stahlanschlüsse für RFEM-Lösung

Mithilfe des FE-basierten Add-Ons Stahlanschlüsse für RFEM 6 wurde der Anschlussbemessungsprozess vollständig in das Hauptstatikmodell integriert. Durch die Vereinheitlichung der Eingabeparameter und der Ergebnisanalyse innerhalb der RFEM-Umgebung wurden im Arbeitsablauf erhebliche Verbesserungen sowohl hinsichtlich der Transparenz als auch der Bemessungseffizienz erzielt.

Bei allen untersuchten Probekörpern wurden die Grenzfestigkeit und die Rotationskapazität der Anschlüsse durch Schraubenbruch bestimmt. Aufgrund der hohen Duktilität und der ausgeprägten Verfestigungseigenschaften der Edelstahlkomponenten zeigte der Momentenwiderstand einen kontinuierlich ansteigenden Verlauf mit zunehmender Verformung, bis die Zug- oder Schubgrenze der Verbindungsmittel erreicht war. Bemerkenswert ist, dass das Schraubenversagen selbst zwar spröde war, das systemische Verhalten der Anschlüsse jedoch überwiegend duktil blieb. Dieses Verhalten ist darauf zurückzuführen, dass dem Schraubenbruch eine umfangreiche unelastische Verformung und ein Fließen innerhalb der anderen Verbindungselemente, insbesondere der Stirnplatten und der Flansch-/Steg-Anschlusswinkel, vorausging. Abb. 5 und 6 sowie Tabelle 3 und 4 veranschaulichen den Vergleich von Momentenwiderstand und Steifigkeit – experimentell, ROFEM, Stahlanschlüsse in RFEM nach EC 3. Tabelle 5 veranschaulicht die Versagensarten.

  • Tabelle 3: Vergleich des Momentenwiderstands – experimentell, ROFEM, Stahlanschlüsse in RFEM und EC3
Momententragfähigkeit (kNm) | Mj,R
Probekörper Experiment ROFEM Stahlanschlüsse in RFEM EC-3 EC3/CBFEM
FEP 40 40.5 40.5 18.6 0.46
EEP 42 43.8 45.23 27.2 0.60
TSAC-8 12 11.7 8.37 6.6 0.79
TSAC-10 23 21.8 13.03 11.1 0.85
TSWAC-8 39 41.6 25.65 19.25 0.75
TSWAC-10 55 53.2 27.27 30.3 1.11
  • Tabelle 4: Vergleich der Steifigkeit – experimentell, ROFEM, Stahlanschlüsse in RFEM und EC3
Anfangssteifigkeit Sj,ini (MNm/rad)
Probekörper Experiment ROFEM Stahlanschlüsse in RFEM EC3 EC-3/CBFEM
FEP 3.91 4.00 5.00 5.74 1.15
EEP 4.46 5.20 3.30 9.36 2.84
TSAC-8 1.24 0.57 1.30 1.80 1.38
TSAC-10 1.52 1.01 2.00 2.52 1.26
TSWAC-8 1.92 2.39 2.20 5.24 2.38
TSWAC-10 2.77 2.88 2.70 6.14 2.27
  • Tabelle 5: Versagensarten
Versagensarten
Probekörper EC-3 Stahlanschlüsse in RFEM Experimente
FEP Stirnplatte bei Biegung Schraubenversagen bei Zug Schraubenbruch bei Zug
EEP Stirnplatte bei Biegung Schraubenversagen bei Zug Schraubenversagen bei Zug
TSAC-8 Biegung des Anschlusswinkels Schraubenversagen bei Zug und Schub Schraubenversagen bei Zug und Schub
TSAC-10 Biegung des Anschlusswinkels Schraubenversagen bei Zug und Schub Schraubenversagen bei Zug und Schub
TSWAC-8 Biegung des Anschlusswinkels Schraubenversagen bei Zug und Schub Schraubenversagen bei Zug und Schub (Flanschwinkelschraube)
TSWAC-10 Biegung des Anschlusswinkels Schraubenversagen des Stegs bei Schub Schraubenversagen bei Schub (obere Schraube, die den Stegwinkel mit dem Trägersteg verbindet)

Fazit

Auf der Grundlage vorläufiger Versuchsdaten wurde die Anwendbarkeit der Bestimmungen der EN 1993-1-8 auf das Add-On Stahlanschlüsse bewertet. In Übereinstimmung mit früheren Beobachtungen bei Gegenstücken aus Kohlenstoffstahl neigte das Eurocode-Steifigkeitsmodell dazu, die anfängliche Drehsteifigkeit zu überschätzen, wobei die Vorhersagen erhebliche Streuungen aufwiesen.
Die analytischen Festigkeitsmodelle (TSWAC-10) wiesen sowohl bei den Probekörpern als auch bei den CBFEM-Simulationen ein Verhältnis von mehr als 1,0 hinsichtlich des plastischen Momentenwiderstands auf. Eine kritische Diskrepanz wurde hinsichtlich des maßgebenden Versagensmechanismus beobachtet: Das Versagen wurde ausnahmslos durch Schraubenversagen ausgelöst, selbst in Konfigurationen, in denen der Eurocode ein duktiles Versagen des T-Stummels (Mechanismus 1 oder 2) prognostizierte, das durch die Bildung plastischer Gelenke gekennzeichnet ist. Während die T-Stummel die erwarteten plastischen Verformungen entwickelten, ermöglichte die ausgeprägte Verfestigung des nichtrostenden Stahls eine kontinuierliche Zunahme der Spannung in den Fließbereichen.

Literaturverzeichnis

  1. Elflah, M.; Theofanous, M.; Dirar, S.; & Yuan, H.X. (2018). Behaviour of stainless-steel beam-to column joints - part 1: experimental investigation. J. Constr. Steel Res (2018). https://doi.org/10.1016/j.jcsr.2018.02.040 (im Druck).
  2. Elflah M.; Theofanous M.; & Dirar S. (2019). Behaviour of Stainless-Steel Beam-to-column Joints – Part 2: Numerical Modelling and Parametric Study. J. Constr. Steel Res. 152(2019), S. 194-212.
  3. CEN. (2005). EN 1993-1-8, Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten - Teil 1-8: Bemessung von Anschlüssen. British Standards Institution, CEN.
  4. Weynard K.; Jaspart J.P.; & Steenhuis, M. (1995). The stiffness model of revised Annex J to Eurocode 3, connections in steel structures III: behaviour, strength and design. Vorgestellt auf dem 3. Internationalen Workshop zu Verbindungen in Stahlkonstruktionen. Trient, Italien.


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