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28. Oktober 2025

H.1.7. Messdaten für mehrere Bauwerke (WTG-Beispiel 9.4)

User Story

Das folgende Beispiel beschreibt Windtunnel-Experimente, die vom Environmental Wind Tunnel Laboratory (EWTL) der Universität Hamburg [1] als Validierungsfall in Teil 9.4 des WTG-Merkblatts M3 durchgeführt wurden. Wir werden die gemessenen Geschwindigkeitsfelder des Stadtmodells ‚Michel City‘ (Fall BL3-3) verwenden, um numerische CFD-Simulationen in komplexen Stadtstrukturen zu validieren. Gemäß Abbildung 2.2 im WTG-Merkblatt M3 kann das Beispiel der "Gruppe 1" zugeordnet werden, basierend auf der Untersuchung des mittleren Windgeschwindigkeitswertes:

  • G2: Absolutwerte mit mittleren Genauigkeitsanforderungen: Der Anwendungsbereich kann Parameter- oder Vorstudien umfassen, wenn spätere Untersuchungen mit höherer Genauigkeit geplant sind (z. B. Windkanaluntersuchungen der Klasse G3).
  • R2: Singulär: alle relevanten Windrichtungen mit ausreichend feiner Richtungsauflösung.
  • Z2: Statistische Mittelwerte und Standardabweichungen: sofern es sich um stationäre Strömungsprozesse handelt, für die ein statistischer Nachweis der Fluktuationen mit einem Spitzenfaktor (Peak-Faktor) ausreichend ist.
  • S1: Statische Auswirkungen: Diese reichen aus, um das Strukturmodell mit den erforderlichen mechanischen Details, jedoch ohne Massen- und Dämpfungseigenschaften, abzubilden.

Beschreibung

Die Untersuchung konzentriert sich auf ein idealisiertes, aber geometrisch detailliertes Stadtmodell, das in einer atmosphärischen Grenzschichtströmung platziert wurde. Die Windkanalmessungen wurden in der WOTAN-Anlage durchgeführt, die über eine Teststrecke von 18 m Länge, 4 m Breite und 2,75–3,25 m Höhe verfügt. Das entsprechende Rauheitsfeld war durch eine Rauigkeitslänge von z0=1.53 m und einen Profil-Exponenten von α=0.27 gekennzeichnet, was „sehr rauhen“ Geländebedingungen entspricht. Insgesamt wurden 1.838 Messpunkte für verschiedene Dachkonfigurationen erfasst. Die zeitabhängigen horizontalen Geschwindigkeitskomponenten u und v, einschließlich Mittelwerte, Varianzen, Korrelationen und Spektren, wurden mit einem 2D-Laser-Doppler-Anemometer (LDA) bei 500–600 Hz ermittelt. Die Messpunkte wurden in vertikalen und horizontalen Profilen, in Straßenschluchten sowie an definierten Standorten zur Wiederholbarkeit verteilt. Der Datensatz "Michel City" dient als Referenz-Validierungsfall (C5) gemäß der VDI-Richtlinie 3783 Blatt 9 [2]. Zur Validierung werden zusätzlich zur Trefferquote eine relative Abweichung D=0.25 und eine absolute Abweichung W=0.08 angewendet, um Wiederholbarkeit und Messunsicherheit zu berücksichtigen. Dieser Datensatz wurde von mehreren Institutionen (e.g., KalWin [3]) für CFD-Validierungen und Modellvergleiche verifiziert und übernommen.

Genauigkeitsanforderung des WTG-Merkblatts M3

Das WTG-Merkblatt M3 bietet zwei zentrale Methoden zur Validierung von Simulationsergebnissen. Die Trefferquote-Methode (Hit-Rate-Methode) bewertet anhand eines binären Klassifizierungsansatzes (Treffer oder Fehler), wie viele der simulierten Werte Pi

  1. innerhalb einer definierten Toleranz korrekt mit den Referenzwerten Oi übereinstimmen. Dieser Ansatz beurteilt die Zuverlässigkeit der Simulation durch die Berechnung einer Trefferquote q, vergleichbar mit Konfidenzfunktionen in der Zuverlässigkeitstheorie. Im Gegensatz dazu bietet die Methode des normierten quadratischen Mittelwerts ((e2) eine detailliertere Genauigkeitsbewertung, indem sie die durchschnittliche quadratische Abweichung zwischen Simulations- und Referenzwerten quantifiziert und diese zur Berücksichtigung von Skalenunterschieden normiert. Zusammen bieten diese Methoden sowohl qualitative als auch quantitative Maße für die Simulationsvalidierung.

Ergebnisse und Diskussion

Der Vergleich zwischen den aus RWIND-Simulationen gewonnenen normierten Geschwindigkeitswerten (U/Uref) und experimentellen Messungen zeigt eine moderate Übereinstimmung über den untersuchten Datensatz hinweg. Insgesamt wurden 43 Validierungspunkte analysiert, bei denen die Abweichungswerte von etwa 2 % bis fast 50 % reichen. Dies deutet darauf hin, dass die Simulation zwar die allgemeine Größenordnung und den Trend des Geschwindigkeitsfeldes erfasst, lokale Diskrepanzen in bestimmten Regionen jedoch signifikant bleiben. Die Analyse der Trefferquote verdeutlicht dieses Verhalten weiter: Nur 18,60 % der Datenpunkte liegen innerhalb einer strengen Toleranz von ±10 %; dieser Wert steigt auf 37,21 %, wenn die Toleranz auf ±20 % erweitert wird. Der normierte mittlere quadratische Fehler von 𝑒2=0.2498 bestätigt eine moderate Gesamtabweichung zwischen den vorhergesagten und den gemessenen Werten.

Räumlich gesehen treten geringere Abweichungen in Regionen auf, die wahrscheinlich durch stabilere oder anliegende Strömungsbedingungen gekennzeichnet sind. Größere Diskrepanzen zeigen sich hingegen dort, wo starke Gradienten oder komplexe Strömungsphänomene zu erwarten sind, wie etwa in Ablösegebieten oder Nachlaufregionen. Diese Unterschiede können auf inhärente Einschränkungen der stationären RANS-Turbulenzmodellierung, Annahmen bei den Wandfunktionen, Netzauflösungseffekte oder die Empfindlichkeit gegenüber den Zuströmbedingungen zurückgeführt werden. Trotz dieser Einschränkungen zeigt die Simulation eine angemessene Leistungsfähigkeit für Analysen auf Ingenieurniveau und die Vorhersage von Trends. Für Anwendungen, die eine höhere lokale Genauigkeit erfordern, könnten jedoch eine weitere Verfeinerung der Turbulenzmodellierung, der Netzauflösung oder der Definition der Randbedingungen erforderlich sein.

Tabelle 1: Vergleich der normierten Geschwindigkeiten (U/Uref) zwischen RWIND und experimentellen Daten

X Y Z U/Uref – RWIND U/Uref – Experimentell Abweichung (%)
-67.25 -41.76 2 0.113 0.0942 16.64
-70.41 -27.84 2 0.120 0.0787 34.42
-73.58 -13.92 2 0.096 0.0693 27.81
-76.75 0 2 0.098 0.0959 2.14
-63.23 0 2 0.144 0.1305 9.38
-61.71 -12 2 0.134 0.1285 4.10
-59.44 -21.99 2 0.113 0.1399 23.81
-57.17 -31.98 2 0.124 0.1385 11.69
-56.89 -44.45 2 0.158 0.1186 24.94
-46.54 -47.15 2 0.149 0.1393 6.51
-48.19 -23.16 2 0.117 0.156 33.33
-48.19 -12 2 0.105 0.154 46.67
-49.71 0 2 0.177 0.1347 23.90
-36.19 0 2 0.117 0.1547 32.22
-36.19 -16.61 2 0.210 0.1633 22.24
31.81 127.75 2 0.091 0.086 5.49
58.81 119.75 2 0.096 0.093 3.13
72.31 127.75 2 0.065 0.0558 14.15
72.31 115.54 2 0.082 0.0423 48.41
85.81 118.91 2 0.149 0.0748 49.80
85.81 127.75 2 0.192 0.0978 49.06
-149.89 -124.58 2 0.103 0.1115 8.25
-156.52 -106.63 2 0.632 0.4036 36.15
-142.43 -99.38 2 0.658 0.334 49.24
-141.58 -112.44 2 0.476 0.4192 11.93
-130.02 -143.76 2 0.117 0.1723 47.26
-119.53 -120.2 2 0.313 0.384 22.68
-127.31 -105.09 2 0.634 0.3833 39.54
-114.27 -84.87 2 0.119 0.0894 24.87
-105.26 -112.85 2 0.466 0.3084 33.82
-100.19 -77.62 2 0.174 0.1187 31.78
-36.27 -94.25 2 0.483 0.2455 49.17
-35.24 -109.91 2 0.249 0.2782 11.73
-48.97 -103.35 2 0.366 0.2337 36.15
-55.52 -120.02 2 0.220 0.284 29.09
-69.23 -113.45 2 0.265 0.2553 3.66
-103.49 -58.25 2 0.270 0.1459 45.96
-118.54 21.4 2 0.024 0.0224 6.67
-121.46 20.73 2 0.062 0.0361 41.77
-120.54 30.17 2 0.117 0.0952 18.63
-117.61 30.84 2 0.139 0.0896 35.53
-122.53 38.95 2 0.170 0.0907 46.65
-125.45 38.28 2 0.158 0.1128 28.61

Tabelle 2: Validierungsparameter für den Vergleich der normierten Geschwindigkeiten (U/Uref)

Metrik Wert
Gesamtzahl der Datenpunkte (N) 43
Trefferquote q (10% Toleranz) 18,60%
Trefferquote q (20% Toleranz) 37,21%
Abweichungsform des mittleren Fehlers (e²) 0,2498

Referenzen
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