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28. September 2023

Materialnichtlinearität

Wenn das Analyse-Add-On Nichtlineares Materialverhalten aktiviert ist (Lizenz erforderlich) in Modell - Basisangaben, stehen in der Liste der Materialmodelle neben den Modellen "Isotrop | Linear elastisch" und "Orthotrop | Linear elastisch" weitere Optionen zur Auswahl.

Wenn Sie in RFEM nichtlineare Materialmodelle verwenden, wird immer eine iterative Berechnung durchgeführt. Abhängig vom Materialmodell wird eine unterschiedliche Beziehung zwischen den Spannungen und Dehnungen definiert.

Die Steifigkeit der finiten Elemente wird im Laufe der Iterationen immer wieder angepasst, bis die Spannungs-Dehnungs-Beziehung erfüllt ist. Die Anpassung erfolgt immer für ein gesamtes Flächen- oder Volumenelement. Daher empfehlen wir, bei der Spannungsauswertung stets den Glättungstyp Konstant auf Netzelementen zu verwenden.

Einige Materialmodelle in RFEM sind mit "Plastisch", andere mit "Nichtlinear elastisch" gekennzeichnet.

Wird ein Bauteil mit einem nichtlinear elastischen Material wieder entlastet, geht die Dehnung auf demselben Pfad zurück. Bei vollständiger Entlastung bleibt keine Dehnung zurück.

Bei der Entlastung eines Bauteils mit einem plastischen Materialmodell bleibt die Dehnung nach vollständiger Entlastung erhalten.

Hintergrundinformationen zu nichtlinearen Materialmodellen finden Sie im Fachbeitrag Fließgesetze im isotropen nichtlinear elastischen Materialmodell.

Die Schnittgrößen und Momente in Platten mit nichtlinearem Material ergeben sich aus der numerischen Integration der Spannungen über die Dicke d der Platte. Um die Integrationsmethode für die Dicke festzulegen, wählen Sie im Dialog "Dicke bearbeiten" die Option Integrationsmethode festlegen. Folgende Integrationsmethoden stehen zur Verfügung:

  • Gauß-Lobatto-Quadratur
  • Simpson-Regel
  • Trapez-Regel

Weiterhin können Sie die "Anzahl der Integrationspunkte" von 3 bis 99 über die Plattendicke festlegen.

Info

Eine theoretische Erläuterung der einzelnen Integrationsmethoden finden Sie im Online-Handbuch Mehrschichtflächen.

Isotrop | Plastisch (Stäbe)

Wenn Sie den Eintrag Isotrop | Plastisch (Stäbe) in der Dropdown-Liste "Materialmodell" auswählen, wird der Tab zur Eingabe nichtlinearer Materialparameter aktiviert.

In diesem Tab definieren Sie das Spannungs-Dehnungs-Diagramm. Folgende Optionen stehen zur Verfügung:

  • Basis
  • Bilinear
  • Spannungs-Dehnungs-Diagramm

Wenn Basis ausgewählt ist, verwendet RFEM ein bilineares Materialmodell. Für den Elastizitätsmodul E und die Fließgrenze fy werden Werte aus der Materialdatenbank verwendet. Aus numerischen Gründen ist der Ast des Graphen nicht exakt horizontal, sondern weist eine geringe Steigung Ep auf.

Wenn Sie die Werte für Fließgrenze und Elastizitätsmodul ändern möchten, aktivieren Sie im Register "Basis" das Kontrollfeld "Benutzerdefiniertes Material".

Bei einer bilinearen Definition können Sie zusätzlich einen Wert für Ep eingeben.

Komplexere Beziehungen zwischen Spannung und Dehnung lassen sich mittels des "Spannungs-Dehnungs-Diagramms" definieren. Bei Auswahl dieser Option wird das Register "Spannungs-Dehnungs-Diagramm" angezeigt.

Definieren Sie in jeder Tabellenzeile einen Punkt für die Spannungs-Dehnungs-Beziehung. Wie das Diagramm nach dem letzten Definitionspunkt fortgesetzt wird, können Sie in der Liste "Diagrammende" unterhalb des Diagramms auswählen:

Bei "Bruch" springt die Spannung nach dem letzten Definitionspunkt auf Null zurück. "Fließen" bedeutet, dass die Spannung bei zunehmender Dehnung konstant bleibt. "Stetig" bedeutet, dass der Graph mit der Steigung des letzten Abschnitts fortgesetzt wird.

Info

In diesem Materialmodell bezieht sich das Spannungs-Dehnungs-Diagramm auf die Längsspannung σx. Unterschiedliche Fließgrenzen für Zug und Druck können mit diesem Materialmodell nicht berücksichtigt werden.

Isotrop | Plastisch (Flächen/Volumenkörper)

Wenn Sie den Eintrag "Isotrop | Plastisch (Flächen/Volumenkörper)" in der Dropdown-Liste "Materialmodell" auswählen, wird der Tab zur Eingabe nichtlinearer Materialparameter aktiviert.

Wählen Sie zunächst die "Spannungsversagenshypothese". Folgende Hypothesen stehen zur Auswahl:

  • von Mises (von Mises Fließkriterium)
  • Tresca (Tresca Fließkriterium)
  • Drucker-Prager
  • Mohr-Coulomb

Bei Auswahl von "von Mises" wird folgende Spannung im Spannungs-Dehnungs-Diagramm verwendet:

Flächen:

Volumenkörper:

Gemäß der "Tresca"-Hypothese wird folgende Spannung verwendet:

Flächen:

Volumenkörper:

Gemäß der "Drucker-Prager"-Hypothese wird folgende Spannung für Flächen und Volumenkörper verwendet:

Gemäß der "Mohr-Coulomb"-Hypothese wird folgende Spannung für Flächen und Volumenkörper verwendet:

Isotrop | Nichtlinear elastisch (Stäbe)

Die Funktionalität entspricht weitgehend der des isotrop plastischen (Stäbe) Materialmodells. Der Unterschied besteht darin, dass nach der Entlastung keine plastische Dehnung zurückbleibt.

Isotrop | Nichtlinear elastisch (Flächen/Volumenkörper)

Die Funktionalität entspricht weitgehend der des isotrop plastischen (Flächen/Volumenkörper) Materialmodells. Der Unterschied besteht darin, dass nach der Entlastung keine plastische Dehnung zurückbleibt.

Isotrop | Schädigung (Flächen/Volumenkörper)

Im Gegensatz zu anderen Materialmodellen ist das Spannungs-Dehnungs-Diagramm für dieses Materialmodell nicht antimetrisch zum Ursprung. So kann mit diesem Materialmodell beispielsweise das Verhalten von stahlfaserverstärktem Beton abgebildet werden. Detaillierte Informationen zur Modellierung von stahlfaserverstärktem Beton finden Sie im Fachbeitrag Ermittlung der Materialeigenschaften von Stahlfaserbeton.

Bei diesem Materialmodell wird die isotrope Steifigkeit mit einem skalaren Schädigungsparameter reduziert. Dieser Schädigungsparameter wird aus dem im Diagramm definierten Spannungsverlauf ermittelt. Dabei wird nicht die Richtung der Hauptspannungen berücksichtigt, sondern die Schädigung erfolgt in Richtung der äquivalenten Dehnung, die auch die dritte Richtung senkrecht zur Ebene abdeckt. Der Zug- und Druckbereich des Spannungstensors wird getrennt behandelt. Es gelten jeweils unterschiedliche Schädigungsparameter.

Die "Referenzelementgröße" steuert, wie die Dehnung im Rissbereich auf die Länge des Elements skaliert wird. Beim Standardwert Null wird keine Skalierung durchgeführt. Somit wird das Materialverhalten des Stahlfaserbetons realitätsnah modelliert.

Weitere Informationen zum theoretischen Hintergrund des Materialmodells "Isotrope Schädigung" finden Sie im Fachbeitrag Nichtlineares Materialmodell Schädigung.

Orthotrop | Plastisch (Flächen/Volumenkörper)

Das Materialmodell nach "Tsai-Wu" vereint plastische mit orthotropen Eigenschaften. Dies ermöglicht die spezielle Modellierung von Materialien mit anisotropen Eigenschaften wie faserverstärkte Kunststoffe oder Holz.

Wenn das Material plastiziert, bleiben die Spannungen konstant. Die Umlagerung erfolgt entsprechend den in den einzelnen Richtungen verfügbaren Steifigkeiten.

Der elastische Bereich entspricht dem orthotropen Materialmodell. Für den plastischen Bereich gilt folgende Fließbedingung nach Tsai-Wu:

Flächen (2D):

Volumenkörper (3D):

Alle Festigkeiten sind positiv zu definieren.

Sie können sich das Spannungskriterium als elliptische Fläche in einem sechsdimensionalen Spannungsraum vorstellen. Wenn eine der drei Spannungskomponenten als konstanter Wert angesetzt wird, kann die Fläche auf einen dreidimensionalen Spannungsraum projiziert werden.

Wenn der Wert für fy(σ) nach der Tsai-Wu-Gleichung, ebener Spannungszustand, kleiner als 1 ist, befinden sich die Spannungen im elastischen Bereich. Der plastische Bereich ist erreicht, sobald fy(σ) = 1. Werte größer als 1 sind nicht zulässig. Das Modellverhalten ist ideal-plastisch, das heißt, es gibt keine Verfestigung.

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