1x
006154
12. März 2026

Umschnürte Druckglieder

Durch die Umschnürung des Betonquerschnitts mittels Querkraftbewehrung wird die laterale Dehnung des Betons begrenzt und somit dessen Druckfestigkeit und Duktilität erhöht. Die Wirkung ist schematisch im folgenden Bild aus [2] dargestellt.

Diese Effekte sind für die Erdbebenbemessung von Stützen von Bedeutung, da sie die Verfügbarkeit plastischer Verformungskapazitäten sicherstellen und die globale Tragfähigkeit der Konstruktion im Erdbebenfall verbessern können.

Bemessungsmodell nach Eurocode 2

Ein expliziter Bemessungsansatz für umschnürte Druckglieder ist in der DIN EN 1992-1-1 nicht vorgesehen.

Nach Abschnitt 3.1.9 der DIN EN 1992-1-1 [1] kann bei der Bemessung jedoch ein mehraxialer Spannungszustand berücksichtigt werden, indem eine modifizierte effektive Spannungs-Dehnungs-Beziehung mit erhöhten Festigkeiten und vergrößerten Grenzdehnungen angesetzt wird. Dabei ist zu beachten, dass diese erhöhten Festigkeits- und Dehnungswerte ausschließlich für den umschnürten Betonkern gelten, der durch die Mittellinien der Umschnürungsbewehrung begrenzt wird.

Der Traganteil der Betondeckung ist im Grenzzustand der Tragfähigkeit (GZT) in der Regel nicht anzusetzen, da infolge von Abplatzungen ein wirksamer Beitrag der Betondeckung meist nicht mehr gegeben ist.

Sofern keine genaueren Angaben vorliegen, kann für den umschnürten Kernbeton ein Parabel-Rechteck-Diagramm gemäß [1] , Bild 3.6, verwendet werden. Dabei sind entsprechend angepasste charakteristische Festigkeits- und Dehnungswerte zugrunde zu legen.

Die Festigkeit des umschnürten Kernbetons wird durch die nachfolgende Formel beschrieben.

Die charakteristischen Dehnungen ergeben sich aus den folgenden Formeln.


Der Eurocode 2 enthält keinen Vorschlag zur Ermittlung des Querdrucks. Gemäß Heft 630 des DAfStb( [2], 3.5.4) wird daher auf die Ansätze von Mander et. al. verwiesen. Die Bestimmungsgleichungen für den Querdruck sind in dem nachfolgenden Abschnitt beschrieben. σ2 = σ'l

Berechnungsmodell nach Mander et. al.

Das Modell nach Mander et al. beschreibt das Spannungs‑Dehnungs‑Verhalten von umschnürtem Beton explizit in Abhängigkeit des wirksamen Umschnürungsdrucks. Daraus werden eine erhöhte effektive Druckfestigkeit und eine vergrößerte Spitzen‑Dehnung des umschnürten Kernbetons abgeleitet, sowie ein duktiler, langsam abfallender Spannungs‑Dehnungs‑Zweig. Eingangsgrößen sind u.a. Bewehrungsgehalt und ‑anordnung der Bügel/ Spiralen, deren Stahlfestigkeit sowie die Geometrie des eingeschlossenen Kernquerschnitts.

Die Spannungs-Dehnungs-Beziehung wird durch die nachfolgende Gleichung beschrieben, [3] (3), (4), (6), (7) & (8) .

Die zugehörige Dehnung lässt sich durch die folgende Formel beschreiben, [3] (5).

Die Druckfestigkeit des umschnürten Betons ergibt sich gemäß [3] (29).

Die effektive Querdruckspannung hierfür lässt sich aus der Gleichung unterhalb ermitteln.

Der Wirksamkeitskoeffizient der Umschnürung ergibt sich gemäß dem folgenden Ausdruck.


Wobei die Nettokernbetonfläche ermittelt werden kann aus:

Die effektiv umschnürte Betonfläche lässt sich ermitteln aus

Anwendung

Das Bemessungsmodell nach EC2, 3.1.9 wird für normkonforme Tragfähigkeitsnachweise verwendet, bei denen eine Erhöhung der Druckfestigkeit durch Umschnürung zulässig ist.

Das Mander-Modell (Mander et al., 1988) kommt als physikalisch fundiertes Stoffmodell zum Einsatz, wenn das vollständige σc - εc -Verhalten von umschnürtem Kernbeton (erhöhte fcc, εcc, post-peak-Verhalten) für nichtlineare Analysen berücksichtigt werden soll.


Referenzen
Übergeordnetes Kapitel